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Hausmodernisierung - Die alte Heizung muss weg

Michael hat das Thema ja letzt selbst auf den Tisch gebracht:

Buderus Öl-Zentralheizung zickt. Nochmal investieren oder neues Heizsystem, das ist hier die Frage!

Das Thema dürfte ja viele E-Autofahrer und Eigenheimbesitzer beschäftigen. Ich fand die Abwägungen, die Michael da angestellt hat, sehr interessant und es hat auch wieder gezeigt, dass es keine "goldene Lösung" zu dem Thema gibt, sondern sehr individuell auf die Bedürfnisse, die örtlichen Gegebenheiten, die innere Einstellung und den eigenen Geldbeutel ankommt.

Mich würde einfach mal interessieren, welche Gedanken Ihr Euch zu dem Thema gemacht habt, welche Lösung Ihr gewählt habt, welche Erfahrungen Ihr gemacht habt und was Ihr gegebenenfalls anders machen würdet. Vielleicht dient das ja dem einen oder anderen als Anreiz oder dient auch mal zum gedanklichen Austausch und eröffnet vielleicht auch eine neue Sichtweise.

Ich persönlich habe mir nun seit Jahren Gedanken gemacht, wie ich mein Haus modernisieren könnte und habe mich technisch relativ offen, für verschiedenen Varianten interessiert. Mein Haus ist eine Arztvilla aus dem Jahr 1959 und war damals sicherlich eine echte Perle im Ort. Insgesamt ist das Haus in drei Wohneinheiten aufgeteilt, einem Haupthaus, einer Ferienwohnung und einer Wohnung für das Hauspersonal über der Garage. Alles ist über ein Atrium bzw. überdachte Vorhalle miteinander verbunden. Mit rund 300m² überbauter Fläche und knapp 400m² Wohnfläche, ist das Haus nicht gerade klein. Die Grundstruktur des Hauses ist sehr gut erhalten, die Wände sind Doppelziegel mit Wanddicken zwischen 30 und 40cm, Decken und Böden sind aus Beton. Das Haupthaus hat einen vollwertigen Keller aus Beton, die restlichen Hausteile sind nicht unterkellert. Die Dachböden sind "kalte Dachböden", d.h. die oberste Geschossdecke wurde damals mit 10cm Isolierung isoliert, der Dachboden selbst ist aber belüftet und entsprechend kalt. Die insgesamt 55 Lärchenholzfenster sind alte Doppelglasfenster ohne Dichtungen, Teile wurden mit Thermopenscheiben ersetzt. Das komplette Haus ist noch mit alten Gussheizkörpern ausgestattet, Fußbodenheizung ist nur im Bad vorhanden.

Beheizt wird das Haus über eine zentrale Ölheizung aus dem Jahr 2004 und einem Kachelofen. Da wir nicht die komplette Fläche benötigen, wird nur das Haupthaus beheizt, die Ferienwohnung wird durch die Haussteuerung regelmäßig belüftet um Schimmel zu vermeiden und auf 7°C gehalten. So kommen wir mit 3000l Heizöl pro Jahr und 3 Ster Holz aus. Wenn man die Ferienwohnung komplett beheizen würde, kämen noch mal etwa 1000l Öl dazu. Das macht dann insgesamt einen Energiebedarf von rund 45.000kWh.

Für einen solchen großen Kasten ist der Verbrauch eigentlich gar nicht so hoch, was aber auch an der Lage des Hauses am Rand der Alpen liegt. Durch den Föhn haben wir relativ häufig in der Nacht 10 bis 20°C höhere Temperaturen, als die umliegenden Orte in 5 bis 10km Entfernung. Ein Temperaturanstieg von -5°C auf +15°C innerhalb von einer halben Stunde, kommt relativ häufig mal vor.

Die Frage für mich war nun, ob ich das nicht irgendwie für mich nutzen könnte.

Dass die Fenster getauscht werden müssen und die Dämmung der oberen Geschossdecken verbessert werden muss, versteht sich von selbst. Energie die nicht verschwendet wird, braucht man nicht zur Verfügung stellen. Eine Außendämmung der Fassade kam allerdings nicht in Frage, da die baulichen Gegebenheiten, wie geringe Dachüberstände, zahlreiche verwinkelte Stellen und auch die durchgehenden Betonplatten (Terrasse und Balkon) hohe Kosten und vermutlich einen eher geringen Einspareffekt bringen würden.

Grundsätzlich war für mich klar, dass man die Beheizung des Gebäudes so weit wie möglich über eine Wärmepumpe realisieren könnte. Die Dach- und auch die Grundstücksfläche sind mehr als ausreichend groß, die Installation einer großen PV-Anlage wäre höchstens durch den Gesetzgeber limitiert. Der Nachteil der Wärmepumpe wäre, dass die bestehenden Radiatoren, durch Flächenheizungen ersetzt werden müssten, um mit geringen Vorlauftemperaturen arbeiten zu können. Da die Böden eh getauscht werden müssten, wäre das grundsätzlich kein Problem. Wir haben noch zwei Wohnungen wo wir das bei der Sanierung ebenfalls so gemacht haben, das brachte schon deutliche Einsparungen.

Aber zurück zu dem Haus in den Bergen:

Bei den Wärmepumpen kommt aus meiner Sicht eigentlich nur eine Wasser-/Wasser- Wärmepumpe in Frage, da deren Wirkungsgrade wirklich durchgehend sehr gut sind. Das Problem ist nur, dass wir auf einem kleinen Hügel wohnen und niemand genau weiß, ob und in welcher Tiefe Grundwasser vorhanden ist. Auch der Aufbau des Hügels ist nicht bekannt. Durch die Nähe der Berge (ca. 300m Luftlinie), ist die Wahrscheinlichkeit auf Fels zu stoßen nicht gerade niedrig. Gleiches gilt für Bohrungen für Erdsonden, für Sole-/Wasser-Wärmepumpen. Außerdem benötigt man dafür eine Genehmigung, die für jeweils 20 Jahre genehmigt wird und dann einer Erneuerung bedarf. Eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe ist vom Wirkungsgrad bislang nicht besonders gut gewesen (auch wenn im Chat ein User aus dem Bereich bereits widersprochen hat), weshalb mir das bei der Objektgröße zu heikel war. Wenn man da in der Schätzung daneben liegt, wird's richtig teuer.

Aber ich wollte ja das Ortsklima und den Föhn nutzen und alle anderen Alternativen fielen praktisch aus.

Blieb nur noch eine Technik um eine Wärmepumpe effizient zu betreiben und ohne Grundwasser oder Erdsonde auszukommen - der Eisspeicher 🙂

Ein Eisspeichersystem ist eigentlich eine Mischung aus einer Geothermie- und einer Solarthermieanlage in Verbindung mit einer Sole-/Wasser-Wärmepumpe. Das heißt, dass über Flächenkollektoren die meiste Zeit des Jahres die Energie aus der Umgebungsluft gewonnen und mit der Wärmepumpe auf ein höheres Niveau gepumpt wird, um warmes Brauch- und Heizwasser zur Verfügung zu stellen. Im Garten wird zusätzlich ein großer Wasserbehälter in den Boden eingelassen, in dem sich grob gesprochen eine lange Schlauchwendel als Wärmetauscher befindet. Der Behälter ist gegenüber dem Erdreich nicht thermisch isoliert, wodurch das Wasser Wärmeenergie vom Erdreich abgeben oder aufnehmen kann. Der Gedanke ist es hier, die Wärmeenergie auf einem niedrigen Temperaturniveau speichern zu können und so Verluste gering zu halten. Die Heizungssteuerung kann entscheiden, von welchem Bereich die Energie für die Wärmepumpe verwendet wird. In den meisten Tagen des Jahres dürfte die notwendige Energie von den Flächenkollektoren der Solarthermieanlage kommen, überschüssige Energie, kann in den Eisspeicher gepumpt werden. Sollte es draußen nun zum Beispiel 0° Außentemperatur haben, keine Sonne scheinen und das Wasser im Eisspeicher eine Temperatur von 10°C haben, so braucht die Wärmepumpe nicht so viel Energie aufwenden, um das Brauch- und Heizungswasser auf die notwendigen Temperaturen hochzupumpen. Der Wirkungsgrad der Pumpe ist immer noch sehr hoch. Bei langanhaltenden Wintertagen ohne zusätzliche Sonneneinstrahlung und geringer Unterstützung durch die Solarthermie, sinkt nun fortlaufend das Energieniveau des Eisspeichers. Durch den Entzug der Wärmeenergie durch die Wärmepumpe, sinkt die Temperatur des Wassers bis an den Gefrierpunkt. Hier beginnt das Wasser nun zu kristallisieren, es wird zu Eis. Bei der Umwandlung des Aggregatzustands von Wasser zu Eis, wird dabei die sogenannte Kristallisationsenergie frei. Auf 10m³ Wasser sind das etwa 1100kWh an Energie, die frei werden. Das bedeutet, dass das Wasser viel langsamer vereist, während die Wärmepumpe Energie entzieht. Durch das Erdreich wird eventuell zusätzlich Wärmeenergie an den Eisspeicher übertragen. Es kann also verhältnismäßig lange die Temperatur des Wassers bei 0°C gehalten werden. Der Wirkungsgrad der Wärmepumpe ist dabei nicht ideal, aber noch höher als 1, also elektrischem Heizen. Sollte nun aber mal wieder die Sonne scheinen- und oder die Umgebungsluft dem Flächenkollektor Energie zuführen, kann die Wärmepumpe diese Energie verwenden oder im Extremfall sogar wieder den Eisspeicher aufwärmen und mit Energie befüllen. Hier kommt genau der Punkt, wo der Föhn ins Spiel kommt. Wir haben häufig Föhn in den Nächten, teilweise aber auch über mehrere Tage oder gar eine ganze Woche. Hier könnte dieses System genügend Energie entziehen und vielleicht sogar speichern, um eine folgende Kälteperiode zu überbrücken bzw. die Energiebilanz für diese zu verbessern.

Bei einer ideal ausgelegten Eisspeicheranlage, tritt die Vereisung erst zum Ende der Heizperiode im Frühjahr ein und wird dann noch mit in den Sommer übernommen. Hier kommt nun der zweite Vorteil für schlecht isolierte Häuser zum tragen. Mit dem Eis aus dem Eisspeicher kann man in den Sommermonaten auch sein Haus kühlen. Die Sole wird hierzu mit einer normalen Pumpe durch den Eisspeicher gepumpt und im Haus wird durch einen Wärmetauscher das Wasser aus dem Heizkreislauf abgekühlt. So wird den Räumen über die Flächenheizungen Wärmeenergie entzogen und diese dadurch gekühlt. Man spart sich die Klimaanlage.

Für ein altes Haus ist dieses System meiner Ansicht nach sehr gut geeignet. In modernen gut gedämmten Häusern, könnte diese Anlage entsprechend kleiner ausfallen.

Entscheidend ist beim Eisspeicher zu verstehen, dass die Gesamtarbeitszahl durch die Vielzahl an Energieträgern sehr gut und nie richtig schlecht ist.Die Anschaffungskosten und der technische Aufwand sind natürlich schon deutlich höher, als bei einer Wasser-/Wasser-Wärmepumpe, aber durch eine gute Jahresarbeitszahl > 4, könnte sich eine solche Anlage auf mehrere Jahrzehnte trotzdem lohnen. Wie gesagt, an bestimmten Standorten gibt es aus oben benannten Gründen auch nicht viele Alternativen.

Am Ende bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass es weniger sinnvoll ist, einen hohen Energieverbrauch durch hohen technischen Aufwand zu kompensieren, weshalb meine persönliche Entscheidung die ist, das Haus abzureißen, neue besser gedämmte Gebäude zu bauen und selbst näher an den Arbeitsort zu ziehen, um die Energie für die Pendelei zu minimieren.

Die Reise hat schon begonnen, schauen wir mal, wo sie endet. Spannend wird es allemal 🙂

Puuuuh, das ist ja ein ganzer Roman 😛 Eisspeicher hört sich sehr interessant an. Hab ich mir gleich mal ein Video von Viessmann auf youtube angeschaut. Danke Dir Marc 😀

Ich akzeptiere gaaaar nix!

Mit einem alten Haus kann ich auch dienen: wir nennen den alten "Meierhof" des hildesheimer Bischofs in unserer Kleinstadt unser eigen - Haupthaus aus dem Jahre 1756 mit vier Mietwohnungen bei etwa 400qm, unsere Wohnung in der alten Zehntscheune auf 220qm mit 2 zusätzlichen Hauswirtschaftsräumen und 2 Garagen.

Unser Teil:

Dämmung ist so ein Thema wegen Fachwerk zum Hof, aber die zwei  freien Seiten sind inzwischen gedämmt, die dritte schließt an ans Haupthaus. Darüber hinaus haben wir die oberste Geschossdecke gedämmt und natürlich komplett neue Fenster. So kamen wir auf 1.500 Liter Heizöl + 2 Tonnen Holzbriketts im Jahr. Warmwasser über Durchlauferhitzer.

Mietwohnungen:

Ölheizungen, teilweise Etagenheizung, teilweise auch für Warmwasser, Verbrauch insgesamt so 8.000 Liter im Jahr. Ein ziemliches Durcheinander.

Eine 8kwp-PV haben wir seit 10 Jahren. Volleinspeisung natürlich. Hintergrund war eine Klimatisierung unseres Teils, die sich über die PV-Erträge rechnet.

Als im letzten Jahr in einer Mietwohnung eine Etagenheizung kurz vor dem Ende war und wir eigentlich einen komplett neuen Schornstein bei einem Austausch hätten einbauen müssen (20TEUR), haben wir lange überlegt - im Grunde genommen muß man da selbst ausprobieren, die Lösungen von der Stange funktionieren alle nicht wirklich.

Wärmepumpe war schnell erledigt, da wir ziemlich verdichtet im Kern einer Kleinstadt wohnen und so einen Brummkreisel wollten wir nicht. Darüber hinaus haben wir fast überall teures Echtholzparkett, also Niedertemperatur war kein Thema. Pellet- und Holzheizung war nicht meins, Bohren für Erdwärme viel zu teuer.

Aber Dachflächen haben wir halt, deswegen haben wir eine 40kwp-PV-Anlage (zunächst ohne Speicher) System SolarEdge mit Optimierern gebaut und eine Mietwohnung + unsere Wohnung auf Elkatherm-Elektrodirektspeicherheizungen umgebaut. Da es sich bei der Mietwohnung um die Wohnung meines Vaters handelt, haben wir da erst mal kein Problem wegen zu hoher Kosten pp., es bleibt in der Familie. Risiko war also überschaubar. Außerdem konnten wir unsere noch recht moderne Ölheizung für 2 der anderen Mietwohnung einsetzen und dort die über 30 Jahre alte Ölheizung verschrotten.

Wir haben jetzt erst ein halbes Jahr herum, aber wir können schon mal sagen, dass die Heizkörper die Räume angenehmer erwärmen als die bisherige Heizung. Wir haben auch mit weniger Holz zugeheizt und konnten durch die höhere Strahlungswärme die Durchschnittstemperaturen senken, darüber hinaus kann man die Direktheizung natürlich minutengenau steuern. Zusammen mit der Modernisierung durch Verschrottung im Bereich Ölheizung konnten wir den Gesamtverbrauch an Öl voraussichtlich halbieren.

Wir haben bisher hochgerechnet auf den 30.06. insgesamt etwa 14.500kwh verbraucht bei 60% Zukauf, haben aber schon vorher einen sehr hohen Verbrauch durch Klimaanlage, Gartenbewässerung etc. etc. gehabt, sodass auf die Heizung etwa 11.000 kwh entfallen werden - Genaueres werde ich noch ermitteln. Produziert haben wir 21.000 kwh bei 30% Selbstnutzung + die Volleinspeisung aus der Altanlage, die uns bei 4.200kwh sagenhafte 1.800 Euro einbringt. Am Ende kommt es dann für die Wirtschaftlichkeit auf den kwh-Preis an, bei 0,15 Euro ist die Heizung ab dem ersten Jahr günstiger als die alte, bei 0,20 Euro wird es eher knapp... aber jede EEG-Senkung und jede CO2-Bepreisung spielt uns in die Karten.

Problem bei jedem Vergleich Elektro - Verbrenner ist halt, dass das besch.ss.n. Öl gnadenlos subventioniert wird: die kwh liegt bei 7-8 Cent, das könnte ich mit dem Solarstrom auch locker, aber das will der Staat ja nicht. Und so muß es halt über die Effizienz gehen.

PS: Man sieht meinen Ausführungen an: bis auf den letzten Cent haben wir es nicht gerechnet: wir wollten halt raus aus dem CO2-Wahnsinn und haben ein paar zusätzliche Kosten einkalkuliert in der Hoffnung, etwas für die Umwelt zu tun und langfristig von Ölpreisen und niedrigen Strompreisen zu profitieren...

Das ist eine total schwierige Thematik. Ich will ja auch umstellen, aber von Heizungsbauern wird mir durch die Bank von Luftwärmepumpen bei meinem Haus abgeraten. Mal sehen was ich mache.

Ich akzeptiere gaaaar nix!

Erst mal mußt du billigen Strom haben...

Die Hausakkus müssen preislich einfach attraktiver werden. Wenn man sich mal einen 50 kWh-Akku wirtschaftlich in den Keller packen könnte, dann sähe die Sache schon anders aus. Dann wäre es im Winter auch mal möglich ein paar Tage ganz gut zu überbrücken wenn nicht viel vom Dach kommt.

Ich akzeptiere gaaaar nix!

Selbst bei unserer 40kwp-Anlage wäre ein Batteriespeicher von 20kwh an der Grenze zur Übergröße. Wir schaffen es im Winter nicht, den voll zu laden und machen ihn sehr schnell wieder leer bei einem Tagesverbrauch von dann regelmäßig über 100kwh am Tag... und im Sommer reichen die 20kwh dicke.

Allerdings sind auch die 10-20kwh-Speicher noch viel zu teuer, da hast du vollkommen recht. Von LG Chem gibt es das kwh für 500 Euro zzgl. Installation, das rechnet sich einfach nicht.

Zur Zeit werden wohl einige Weichen gestellt, was die Zukunft der Eigenstrom-Erzeugung angeht:

Thomas